Von wegen Piraten könnten keine Politik

Zumindest der Ex-Pirat Christopher Lauer ist ein echt professioneller Politiker geworden und hat sich die wichtigsten Tugenden dieses Berufsstandes zu eigen gemacht:

  1. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern und
  2. wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

Kaum hat der Mann einen Job beim Axel Springer Verlag, schon ist er vom Gegner zum Fan des Leistungsschutzrechtes für Presseverlage geworden. Beeindruckend ist durchaus das Tempo, mit dem er sich da gedreht hat, da gab es keine Schamfrist oder so, das ging ratzfatz: Neuer Job, neue Meinung.

Aber nicht nur diese beiden Tugenden eines Berufspolitikers beherrscht der Mann, auch das Thema „Einfach mal absolut unpassende Vergleiche anstellen“ ist ihm scheinbar schon in Fleisch und Blut übergegangen:

https://twitter.com/Schmidtlepp/status/594411824851906560

Herrlich, oder? Da vergleicht er einfach mal – als ob er es nicht besser wüsste – die Vorratsdatenspeicherung mit dem Anfertigen eines Screenshots eines alten Tweets. Eines Tweets, der wohlgemerkt öffentlich gepostet wurde, von einer Person, die in der Öffentlichkeit steht und sich dieses auch noch selbst ausgesucht hat. Natürlich weiß der Herr Lauer, dass das Ding da nicht mal hinkt und schon nicht mehr als „Äpfel-Birnen-Vergleich“ durch-, sondern eher in die Richtung „Äpfel-Flugzeuge-Vergleich“ geht. Aber das ist egal, wichtig ist doch nur, irgendwas zu erwidern. Im Zweifel hätte es auch ein „Ätsch, selber doof“ getan. Wäre ein vergleichbares Niveau gewesen und ehrlicher als dieser jämmerliche Versuch sich selbst zum Opfer zu erklären.

Mal abgesehen davon, dass man für den Beleg seiner 180-Grad-Drehung in Sachen LSR keine alten Tweets von ihm bräuchte. Ist ja nicht so, als hätte er nicht auch Interviews gegeben usw. usw.

Christopher Lauer ist das beste Beispiel für das größte Problem der Piraten: Der plötzliche Erfolg führte dazu, dass teilweise komplett untaugliches Personal für Wahlen aufgestellt und dann auch noch gewählt wurde. Typen, denen es offensichtlich in erster Linie – oder auch ausschließlich – nur um sich selbst geht und nicht ernsthaft um die politischen Ziele der Partei.

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Carsten Dobschat

Stimmt durchaus, aber er gehörte eben zu den Gestalten, die von den Piraten (oft mangels Alternative) aufgestellt und dann dummerweise gewählt wurden. Wobei ich zugeben muss, dass ich anfangs durchaus dachte, er könne da was erreichen, aber mit der Zeit stellte sich halt immer öfter heraus, dass es ihm doch nur um sich geht. Schade.

Sven Scholz

Naja, ein “Hätte man vorher wissen können” seh ich da nicht, ich hatte bei ihm durchaus auch Hoffnung, dass ihm die Positionen, die er vertrat ähnlich wichtig wären wie die Darstellung seiner Person. Im Gegensatz zu manchen anderen hab ich ja grundsätzlich überhaupt kein Problem mit Selbstdarstellung. Aber was er da im Moment macht und sagt ist jetzt schon leider etwas sehr enttäuschend, ich mein, man kann ja mit der PP nicht mehr können, kommt vor, aber deshalb alles, wofür man man – auch als Person/Persönlichkeit – stand, das Klo runter zu kippen ist dann doch schon sehr Meh.

Carsten Dobschat

Ja, das Problem ist eben das man es nicht vorher wissen konnte. In älteren Parteien kennt man sich schon etwas länger, da wird nicht „blind“ aufgestellt, so wie es eben bei den Piraten fast immer war am Anfang. Zwar ist „man kennt sich länger“ auch keine Garantie gegen Totalausfälle, aber sie kommen nicht ganz so gehäuft vor…

Sven Scholz

Naja, dafür haste über die Schiene “Man kennt sich länger” halt entsprechende Seilschaften, an denen andere nicht (mehr) vorbeikommen. Hat eben alles seine Vor- und Nachteile ;-)

Jens Scholz

Mich schon, dazu gehört auch das austeilen aber nicht einstecken können. Die winzigen Anlässe aus denen der Lauer bei Twitter Leute blockt und gleichzeitig andere völlig hemmungslos beschimpft ist auch sowas. Wenn der Joschka früher Twitterer gewesen wäre, er hätte genau dasselbe gemacht.

Henning Uhle

Sorry, wenn ich Eigenwerbung mache:

Klick

Aber es stimmt schon: Der Mann hat eine ziemliche 180°-Wende hingelegt. Ich habe den immer gut gefunden. Dann hatte der mich irgendwann blockiert. Warum weiß ich nicht. Und dann kommt der in der Springer-Handtasche um die Ecke.

Es ist so vieles nicht nachvollziehbar. Und in meinem Blog kommt ein “Bernd” zu einem anderen Lauer-Artikel daher und wirft mir vor, ich könne den nicht leiden und würde dann quasi grundlos kritisieren. Wer aber “Pferd” als Aussage hat, was soll man von dem halten?