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Ich bin ja kein Rassist, aber eigentlich schon…

Ich bin ja kein Rassist, aber eigentlich schon…

Die Marke „Uncle Ben’s“ soll geändert werden. Warum? Weil sie rassistisch ist. Nicht die Abbildung eines Schwarzen auf der Packung ist rassistisch, sondern der Name. Mit „Uncle“ wurden Schwarze angesprochen, die zu alt für „Boy“ waren und um zu vermeiden sie mit „Mister“ anreden zu müssen. Analog galt das auch für „Aunt“. Es ist also ein gutes Zeichen, dass diese Marke in dieser Form verschwinden soll. Noch weiß keiner, ob es in Zukunft einfach „Ben’s“ oder „Mister Ben’s“ oder ganz was anderes wird. Ist ja auch egal.

Nicht egal ist das einer viel zu großen Zahl von weißen Menschen in Deutschland, die mindestens den Verlust des Abendlandes befürchten. Und es sind immer die gleichen Diskussionen: Zuerst einmal wollen sie keinen Rassismus erkennen, reden nur von „dem netten älteren Herrn auf der Packung, der zufällig schwarz ist“. Erklärt man ihnen den Hintergrund, dann kommt das „Argument“, dass in Deutschland der Onkel aber nur familiär gemeint wäre und den rassistischen Hintergrund wie in den USA nicht habe. Doof nur, dass wir von einer weltweit genutzten Marke sprechen. Das dümmste Argument gegen eine Umbenennung der Marke war aber, dass damit „wieder ein Schwarzer aus der Öffentlichkeit verschwinden“ würde. Und natürlich kommt immer wieder das „wir leben nicht mehr in einer Demokratie“-Gesülze…

Es ist zum Ausrasten… eine Marke soll geändert werden. Niemandem wird dabei etwas weg genommen, niemand wird benachteiligt, niemand wird zu irgendwas gezwungen. Es erwartet auch niemand, dass durch so einen symbolischen Schritt plötzlich der Rassismus weltweit verschwindet. Es ist einfach nur, was es ist: Ein überfälliger, symbolischer Schritt und etwas Respekt. Es betrifft weiße Menschen absolut nicht. Weder sind wir jetzt von dieser rassistischen Bezeichnung betroffen, noch sind wir in Zukunft durch die Änderung der Marke benachteiligt.

Warum zum Teufel können wir – weiße Menschen, die absolut nicht von dem Rassismus und auch nicht von der Markenänderung betroffen sind – also nicht einfach unsere Fresse halten?

Niemandem, wirklich niemandem, wird durch die Änderung der Marke etwas genommen, aber vielen wird damit ein bisschen Respekt entgegengebracht. Natürlich beendet das nicht den Rassismus in den Köpfen, aber auch solche Symbole sind wichtig und kleine Schritte auf dem Weg, Rassismus endgültig loszuwerden.

Wenn jetzt also Weiße rumjammern, irgendeinen Quatsch von wegen es gäbe keine Demokratie mehr, dann ist das widerlich. Widerlich, weil man damit nur eines sagt: Dass man denkt, dass Schwarze weniger wert seien und keinen Respekt und keine Freiheit von Diskriminierung verdient hätten. Und diese Einstellung ist nichts weiter als durch und durch rassistisch. Ende. Da kann man noch so lange erzählen, dass man kein Rassist wäre – wäre man wirklich kein Rassist, dann würde man an dieser Stelle einfach die Fresse halten, statt Betroffenen vorschreiben zu wollen, ob sie sich von diesem Markennamen angegriffen fühlen dürfen oder nicht. Abgesehen davon muss ich an dieser Stelle unserem Bundespräsidenten zustimmen:

Es reicht nicht aus, ‚kein Rassist‘ zu sein. Wir müssen Antirassisten sein!

Frank-Walter Steinmeier

Anständige und nicht betroffene Menschen können nur auf zwei Arten auf die Meldung der Markenänderung reagieren: Gar nicht oder sich einfach für die Menschen freuen, denen so zumindest symbolisch ein klein bisschen weniger alltägliche Diskriminierung zugemutet wird!

Foto: sheilaf2002 – stock.adobe.com

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