Dauerbrenner: Flüchtlinge und Smartphones

Man sollte ja meinen, dass so langsam mal alle Menschen in diesem Land verstehen müssten, dass wir – also wir Deutsche, wir Europäer – nicht einfach die Augen zu machen können und Menschen, die auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Elend sind einfach an unseren europäischen Grenzen verrecken lassen können. Und dann noch Weihnachten, Fest der Liebe und so, Fest einer Religion, die Nächstenliebe predigt und dessen Verteidigung sich so viele Menschen auf die Fahnen (oder auch Galgen) geschrieben haben. Aber nein, gerade über die Feiertage kamen besonders viele Kommentare und Mails von Rassisten, Nazis, Aber-Nazis und anderem rechten und menschenfeindlichem Pack hier an. Ein regelrechter Honeypot für solche Reaktionen stellt dabei der Beitrag zum Thema Flüchtlinge und Handys dar. Nicht ohne Grund gebe ich da gut wie keinen Kommentar mehr frei. Da kam dann wieder mal so eine Mail eines „politisch neutralen“ Menschen, der sich selbst als „eher links“ sieht, dann aber doch nicht anders kann, als jede Menge vor Vorurteilen, Neid und Unwissen triefenden Quatsch zu schreiben…
Manche dieser „Argumente“ werden so oft gebracht und sind so falsch, dass man sie mal richtig stellen sollte.

Warum haben die neue und neuste Smartphones, statt einem 20-Euro-Handy, das reicht doch auch zum Telefonieren!? Warum müssen es Smartphones sein, von deren Kaufpreis die in ihrer Heimat wochenlang leben könnten?

Ja, es ist schon unglaublich, gerade diese syrischen Kriegsflüchtlingen sind hier extrem dreist unterwegs: Statt also ihr Smartphone vor der Flucht wegzuschmeissen und sich für die Flucht irgendeinen alten Mobilknochen zuzulegen, nehmen die einfach ihr Smartphone mit, welches sie haben! Und das sind tatsächlich oft aktuelle Geräte, denn diese Syrer haben die Frechheit aus einem Land zu fliehen, in dem man vor dem Krieg durchaus gut leben konnte, gar nicht so weit von unserem gewohnten Standard entfernt. Wirklich, die erdreisten sich zu fliehen nur weil in ihrem Land ein Krieg herrscht sie vom Tod durch Bomben und Kugeln bedroht sind und dann nehmen die tatsächlich mit, was sie haben, statt ihre Smartphones zu verkaufen!
Ach ja, ganz nebenbei: Die wenigstens telefonieren mit ihrem Smartphone mit Verwandten und Freunden, die meisten nutzen das Smartphone als Zugang zum Internet und kommunizieren darüber. Denn einen Zugang zum Internet, um ein bisschen per WhatsApp oder Mail zu kommunizieren ist deutlich günstiger, als lange Gespräche ins Ausland.

Hartz IV-Empfänger werden in Deutschland gegängelt und in irrsinnige Maßnahmen und mies bezahlte Scheißjobs gezwungen, während die Asylbewerber und Flüchtlinge für das gleiche Geld nicht arbeiten müssen!

Tja, unbestritten ist das Hartz IV System krank und gehört grundlegend geändert bzw. abgeschafft – aber hier werden mal wieder (und ich unterstelle dabei Absicht) Dinge verglichen, die nicht vergleichbar sind. Es stimmt, Asylbewerber und Flüchtlinge werden nicht in irgendwelche Jobs gezwungen. Der Witz ist: Man müsste die ja nicht mal zwingen, denn zumindest alle, mit denen ich bisher zu tun hatte, würden liebend gerne arbeiten und sich ihren Lebensunterhalt selbst verdienen, statt den ganzen Tag ohne Aufgabe, ohne Privatsphäre und ohne Perspektive in einer Massenunterkunft zu sitzen. Aber sie dürfen nicht! Ja, so sieht es aus. Damit die vorhandenen Jobs für Deutsche und EU-Bürger verfügbar bleiben, dürfen Asylbewerber und Flüchtlingen erstmal gar nicht arbeiten und wenn sie es dann dürfen, müssen sie sich auch erstmal hinten anstellen und die Jobs nehmen, für die sich kein Deutscher oder EU-Bürger findet.
Man mag es kaum glauben, wenn also „besorgte Bürger“ laut brüllen, dass die Flüchtlinge doch gefälligst für ihren Lebensunterhalt arbeiten sollen, dann fordern sie nichts anderes, als die Flüchtlingen selbst, die sehr gerne selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen möchten. Aber lieber wird von den „besorgten Bürgern“ das Bild vom faulen Flüchtling gezeichnet, der nach Deutschland kommt, um hier auf unsere Kosten seine Eier zu schaukeln. Hat zwar nichts mit der Realität zu tun, aber es hetzt sich halt schlecht gegen arbeitswillige Menschen, die ihre Heimat unter größter Gefahr für Leib und Leben verlassen haben, weil dort ihr Leben bedroht war und die nichts lieber möchten, als für ihren Lebensunterhalt selbst zu arbeiten und sobald es die Umstände erlauben wieder in die Heimat zurückzukehren.
Ach und ganz nebenbei: Nein, Flüchtlinge und Asylbewerber bekommen eben nicht direkt das gleiche Geld, wie ein Hartz IV Empfänger. Reguläres Hartz IV bekommt ein Flüchtling erst nachdem sein Status anerkannt ist. Bis dahin gibt es nur eine Nothilfe und Unterkunft in einer entsprechenden Unterkunft.

Du hetzt doch selber und zwar gegen Deutsche!

Tue ich das? Nein, ich denke nicht. Ich nenne nur ganz gerne Dinge beim Namen und Rassisten sind Menschenfeinde und Arschlöcher. Punkt. Und dabei ist es egal, ob es sich „nur“ um einen Rassisten, um einen Nazi, einen Neo-Nazi, einen Aber-Nazi oder einen „besorgten Bürger“ handelt. Wer gegen andere Menschen hetzt, Menschen verrecken lassen will, obwohl es uns ein leichtes ist, diesen zu helfen, wer gar Menschen den Tod wünscht oder auch dazu bereit ist, dabei selbst Hand anzulegen, wer brennende Asylbewerberunterkünfte beklatscht und auch nur relativiert, wer Gewalt gegen Menschen verteidigt, der ist ein Menschenfeind und Arschloch. Und Menschenfeinde und Arschlöcher als Menschenfeinde und Arschlöcher zu bezeichnen ist keine Hetze und keine Beleidigung, sondern eine Tatsachenfeststellung.
 
Ende der Diskussion.

Ich erlebe immer wieder Menschen, die gegen Flüchtlinge schimpfen – also ist die Mehrheit in diesem Land gegen Flüchtlinge, egal was Umfragen sagen und die Politiker ignorieren diese Meinung!

Das ist auch so ein herrliches Nicht-Argument. Erst letzte Nacht wieder eine Mail von einem, der in den letzten Wochen zwei Menschen erlebt hat, die ganz offen über Flüchtlinge geschimpft haben und wenn die das machen, dann muss das doch die Mehrheitsmeinung sein. Nein, muss es nicht. Selbst wenn man an einem Tag zwei Menschen begegnet, die so einen Mist öffentlich rumposaunen, dann ist das immer noch nicht die Mehrheitsmeinung. Diese seltsame Selbstwahrnehmung, dass die eigene Meinung doch schließlich Mehrheitsmeinung sein müsse, nur weil man selbst zwei, drei, zehn Menschen kennt, die diese Meinung teilen. Diese irrige Annahme, weil sich ein paar tausend verwirrte Bürger jede Woche in Dresden zusammen finden und „Wir sind das Volk“ skandieren, wären sie eben genau dieses Volk. Nö, seid ihr nicht.

Die Flüchtlinge bekommen kostenloses WLAN und ich zahle teures Geld für SAT-DSL mit lahmen Übertragungsraten – das ist unfair!

Ja, an vielen Orten bekommen Flüchtlingsunterkünfte kostenfreies WLAN, teilweise von der Telekom oder von Freifunk-Gruppen. Einfach damit die Menschen eine Möglichkeit haben zum einen mit ihren Verwandten und Freunden zu kommunizieren, aber auch, um sich zu informieren. Sie sind in einem fremden Land, sprechen meist die Sprache noch nicht – da ist das Internet eine einfache und kostengünstige Möglichkeit ihnen die Möglichkeit zu geben, sich zu informieren, die Sprache zu lernen usw.
Und wenn man in einer Gegend mit armseliger Breitbandversorgung wohnt, dann ist das nicht die Schuld der Flüchtlinge. Beschwert euch bei der Telekom, bei anderen Telekommunikationsunternehmen und bei der Politik – das ist deren Job, dafür zu sorgen, dass keine Region in Deutschland digital abgehängt wird.

Beitragsfoto:  Adrian Clark, Lizenz:  CC-BY-ND 2.0

84 Comments

Daniel Sabrina Schwoll

Zu dem Argument mit dem kostenlosen WLAN: In unserer Stadt sind bereits mehrere Öffentliche Hotspots eingerichtet über welche ausnahmslos JEDER frei ins Internet gehen kann und dies wird in vielen Großstädten weiterhin ausgebaut. Ich habe in einer Flüchtlingsstelle mit Erstaufnahme gearbeitet und das „WLAN“ dort erlebt. Die Bandbreite ist grottenschlecht und reicht gerade mal für den Google Übersetzer, welche diese Menschen tatsächlich öfters nutzen als es viele wohl denken.
Fakt: die Flüchtlinge bekommen nur eine „Grundausstattung“ an die Hand, welche weit unter unserem gewohnten Standard liegt. Ich habe das Essen dort gesehen, was nebenbei bemerkt echt nicht schlecht aussah und roch, und stellte dabei fest; ein Hartz 4 Empfänger schlemmt vorzüglich dagegen.
Ich habe dort die Massenunterkünfte gesehen und habe mehr als nur einem erkrankten geholfen, wo andere verzweifelt wären. 3500 Flüchtlinge (zu Spitzenzeiten) in 10 Zelten und ein paar Gebäuden, wo man sich etagenbett mit unbekannten teilen muss und nicht mal einen m2 für sich beanspruchen kann. Ich spreche hier von Zelten in welchen man nur im Krabbenschritt durchlaufen kann, da zwischen den Betten nicht mehr als 50 cm Platz ist.
Ich glaube nicht, dass es einer dieser „besorgten Bürger“ auch nur eine Stunde mit 300 fremden Menschen in einem Zelt aushalten würde.
Schlusssatz: So lange wir Geld haben um es den Banken in den Rachen zu schieben um sie vor ihrer Zockerei zu retten, haben wir auch Geld um Flüchtlinge aufzunehmen.

Gerhard Fenner

Im Kommentar wird wieder mal christliche Werte angefordert. Ich habe keine Angst vor Flüchtlingen aber ich habe Angst vor solchen die nach christlichen Werte scheien und sie als HOLE Form benutzen. Ohne echtes Christ sein, Jesus gehörend, sind solche Aufrufe Sinnlos und spielen nur Pegida in die Hände.

Das Saarland wehrt sich gegen Rassisten

Wer schreit nach christlichen Werten? Aber die Frage steht da und ist angebracht, wo diese Werte bleiben bei den Menschen, die von sich behaupten, dass sie das christlichen Abendland verteidigen würden…

Gerhard Fenner

Da sind wir einer Meinung. Man ist aber nicht Christ weil ich zu einer Kirche gehöre und wenns dann mal brennt die passenden christliche Werte zitiere. Genau solche Namenschristen bekommen dann Angst und schließen sich Pegida an. Christ sein will gelebt werden auch und gerade da wo es brennt. Verfolgung Erleiden, in die Bresche springen. Vielleicht müssen wir satten Christen das wieder lernen.

Claire Werk

Labt der doch keine Arie. Wann war denn der fenner das letzte mal in der Kirche ? Hmm Nachtmesse vielleicht ?? Ich glaub kaum!

Gerhard Fenner

Claire, leider hast du da den falschen erwischt. Ich bin Christ. Bin öfter in der Kirche als nur zum Heilig Abend. Ich stehe dazu, Aber ich wehre mich auch wenn man alles in einen Topf schmeißt umrührt und dann meint das wäre die Wahrheit. So nicht, Ich diversifiziere und kenne mich auf einigen Gebieten gut aus. Sonst halte ich den Mund. Frag mal die Gutmenschen was die unter Nächstenliebe verstehen. Da reiten gerade die Medien und auch in diesem Artikel viele drauf herum. Ich achte sehr das ihr euch wehrt gegen Fremdenhass. Lasst doch das heraus was dort nichts zu suchen hat. Bindet die Christen mit ein. Das wäre der bessere Weg. Vorwürfe die nichts bewirken bringen nichts.

Das Saarland wehrt sich gegen Rassisten

Gerhard, ich habe so ein wenig den Eindruck, dass du nicht verstanden hast, worum es geht. Mal abgesehen von deinem Vokabular… Müsste nicht jeder Christ automatisch ein Gutmensch sein?

Gerhard Fenner

Gutmensch ist eigentlich ein Negativbegriff. Wo sich jemand einsetzt das kannst du und ich nicht bestimmen. Jeder Christ muß das mit seinem Herrn abmachen. Ich mache seid über 20J. Weltdienstarbeit im CVJM. Wir sind in Ghana tätig und unterstützen dort Jugendarbeit

Claire Werk

Dann hoffe ich einfach mal das es stimmt und ziehe meinen hut und entschuldige mich für die forsche Art, allerdings gibt es momentan Zuviel die behaupten sie sind Christen und sahen das letzte mal zur Kommunion nen Altar.

Gerhard Fenner

Kannst ja meine Seite aufmachen. Da findest du viele Bilder von dem Jungendzentrum. Will aber nicht damit angeben. Ich bin dankbar das ich immer dort behütet gewesen bin. Übrigens ich bin nicht Kath. Ich bin nur CVJM oder YMCA

Das Saarland wehrt sich gegen Rassisten

Negativ sind nur Menschen, die versuchen andere zu beleidigen, indem sie sie Gutmenschen nennen…

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