Bloggen Dobschat Privat

Wutlosigkeit oder Sprachlos 2.0

Da hat mal ein anderer die Frage beantwortet, warum ich eigentlich in letzter Zeit immer weniger blogge:

Im Moment beobachte ich bei mir allerdings eine Entwicklung, die mir selbst zuwider ist: Eine gewisse Wutlosigkeit. Gemeint ist eine Mischung aus Zorn und Mutlosigkeit, die mich oft innehalten lässt, wenn ich etwas lese über das ich eigentlich bloggen würde. Zu oft bekommt man das Gefühl sich im kreise zu drehen, zu schreiben was andere schon vorher schrieben, was man selbst schon vorher schrieb. Ein einfacher Blick ins eigene Blog, verweist einen darauf, wie oft man gewisse Themen schon bearbeitet hat, noch schlimmer wenn man in die Prä-Netz-Ära zurückblickt und sieht, daß gewisse Themen seit zwanzig und mehr Jahren aktuell sind und sich anscheinend so gar nichts tut, zumindest nicht in positiver Hinsicht.

 

Veröffentlicht von

Ein humanistischer Misanthrop (oder umgekehrt), der seit sehr vielen Jahren Dinge ins Internet schreibt und das weiter tut. In diesem Weblog finden sich nun aktuelle Beiträge und alte Beiträge seit 2004, die das Löschen von reichlich altem Scheiß überlebt haben.

2 Antworten auf “Wutlosigkeit oder Sprachlos 2.0”

  1. Nö, zumindest soweit es mich betrifft.

    (1) Erstens ist es mehr und mehr gefährlich geworden, seine Meinung herauszuposaunen. Dass ausgerechnet ich das mal sagen würde, hätte ich selbst wohl nie vermutet, aber ich sehe es nicht ein, mich oder meine Familie einem wirtschaftlichen Risiko auszusetzen, nur weil mich das Sendungsbewusstsein packt. Und dass selbst friedliebende Menschen zu Opfern von psychopathischen Spinnern werden können, brauche ich dir wohl nicht zu erklären, oder?

    (2) Dann gehöre ich sicherlich in die Gruppe der “selbstdarstellenden Blogger”, wie heise es letztens so schön geschrieben hat. http://www.heise.de/newsticker/meldung/85081. Die Mehrzahl meiner Beiträge hat man auch beschreiben können mit “Christian gibt seinen Senf dazu”. Ich denke, vielen anderen geht es ähnlich, auch wenn daran nicht unbedingt was schlechtes sein muss. Die Welt ist allerdings keine schlechtere, nur weil ich nicht mehr blogge, und mit dieser Erkenntnis versiegt meine Motivation, jeden Tag 30-60 Minuten für Imagepflege zu verwenden, doch ganz erheblich.

    (3) Dann wären da schliesslich noch die vermeindlich “wichtigen Themen”. Die Welt diskutiert zum Beispiel über CO2-Belastung und dicke Autos? Na prima, ich bin auch dagegen. Oder dafür, je nachdem, welche Position man bezieht. Das Problem ist: Allein in meiner Strasse parken 3 solcher Schlitten a la Touareg, X5, Q7 und Konsorten. Anstatt also meine Wut in wohlfeile Worte zu packen und irgendwo unauffällig im Netz zu parken, sollte ich da nicht besser mit meinen Nachbarn das Gespräch suchen? Nur dass denen das Thema offensichtlich am A… vorbei geht, Klimaerwärmung gibts da auch nicht, in ihrem Skigebiet auf 5000 Meter war noch “Ski und Rodeln gut”. Menschen sind dumm, überheblich, brutal und ignorant und mir geht es nicht besser, wenn ich mich Tag für Tag darüber aufrege. Auch wenn es ständig Anlass dazu gäbe.

    Ich muss dann an diese Szene aus “The Commitments” denken, als über Jimmy Rabbitte gesagt wurde, er wäre der erste gewesen, der das neue Franky-goes-to-Hollywood-Album gehabt hatte… und der erste, der sagte, dass es Mist ist. Publikation für jeden ist eine tolle Sache, aber es ist nicht jeder ein Publizist, weil nicht jeder was zu sagen hat. Es dauert nur eine Weile, bis der eine oder andere das für sich selbst entscheidet. Und im gleichen Mass wird sich auch die Anzahl der aktiven Blogs wieder reduzieren.

    Viele Grüße,

    –  Christian

  2. Langer Kommentar… verdammt lang smile
    Zu (1): ja, das mit den Spinnern brauchst Du mir wirklich nicht extra sagen, ich weiss smile Aber obwohl es immer gefährlicher wird, die eigene Meinung zu sagen ist es doch wichtig, dass man sich nicht alles gefallen lässt und zumindest hin und wieder mal das Maul aufmacht. Wobei es eigentlich *gerade* weil es immer gefährlicher wird eben auch immer wichtiger wird, die eigene Meinung zu sagen. Missverständnisse und auch Spinner gehören da zu den möglichen Folgen, wie auch Abmahnungen – aber was hat man davon, wenn man sich dadurch einschüchtern lässt? Besser wird es davon sicher nicht…

    Zu (2): eine schlechtere ist sie vielleicht deswegen nicht, aber auch eine bessere… ich will nicht behaupten, dass man durch bloggen (oder allgemein gesagt: durch’s Maul aufmachen) die Welt verbessert, aber durch Maul halten verbessert man sicher nichts…

    Zu (3): Egal welches Thema, klar kann man immer damit argumentieren, dass es ja nichts bringen würde, wenn man da so als einzelner was sagt/schreibt – und es steht auch jedem frei, sich aus solchen Diskussionen raus zu halten. Nur: damit kann man auch nichts bewirken oder verändern. Kein einzelner Blogger wird die Welt verändern, aber ein paar hundert oder tausend Menschen können durchaus was bewegen. Ob man deswegen gleich ein Weblog schreiben muss ist eine andere Frage (die man durchaus verneinen kann), aber Weblogs sind eben auch eine prima Möglichkeit Menschen kennen zu lernen, die ähnliche Ansichten haben – und das kann schon viel wert sein.

    Und zur Reduzierung der aktiven Blogs: ich hoffe nicht, dass sich die Zahl reduziert – es dürfen gerne mehr sein. Wobei ich damit vor allem persönliche Blogs meine. Je mehr, desto besser – trotz (und vielleicht auch wegen) der möglichen Nebenwirkungen…

Kommentare sind geschlossen.