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Ein neuer Mac: Migration oder nicht?

Ein neuer Mac: Migration oder nicht?

Keine Frage, der Migrationsassistent von Apple ist eine feine Sache und es gibt kaum einen schnelleren Weg beim Wechsel auf neue Hardware ein lauffÀhiges System zu haben. Es gibt aber ein paar Fallen


Man sollte zum Beispiel vor dem Wechsel der Hardware nicht vergessen, auf der alten Hardware Softwarelizenzen zu deaktivieren, die an die Hardware gebunden zu sind. Und rechnet nicht damit, dass Programme mit Kernel-Extensions (Kandidat ist hier VirtualBox) oder Tools, die Dinge in Systemverzeichnissen installieren (zum Beispiel Homebrew) nach der Migration auf der neuen Hardware noch laufen. Solche Dinge wird man also neu installieren mĂŒssen. Sehr speziell ist ein Problem mit Vagrant, auf dass ich bei solchen Migrationen gestoßen bin: Hier werden User-IDs direkt in Configfiles geschrieben, wenn sich diese Ă€ndert, dann gibt es reichlich Berechtigungsprobleme. Passiert zum Beispiel wenn man den zuerst auf der alten Hardware angelegten User (ID 501) auf einen neuen Mac migriert und dort schon ein User existiert, dann Ă€ndert sich die User-ID und die Probleme gehen los.

Ein anderes hĂ€ufiges Problem betrifft Dropbox und OneDrive: Nutzt man hier den Smart Sync (Dropbox) bzw. Dateien bei Bedarf (OneDrive), dann kann die Migration oft nicht durchgefĂŒhrt werden, weil angeblich zu wenig Speicher vorhanden wĂ€re. Diese Einstellungen sorgen dafĂŒr, dass statt der ganzen Dateien nur kleine Verweise auf dem lokalen System abgelegt werden, aber dummerweise „kennt“ macOS die GrĂ¶ĂŸe der Originaldatei und rechnet mit der. Daher am besten solche Tools auf dem alten Rechner abschalten und die entsprechenden Ordner löschen und auf der neuen Hardware neu synchronisieren.

Screenshot GrĂ¶ĂŸeninfo Dropbox lokal auf einem Mac

Wenn man sich auf die Migration ein bisschen vorbereitet und nicht gerade WLAN fĂŒr die Migration nutzt – sehr viele Mac-User kennen den Festplattenmodus nicht – dann geht das auch ziemlich flott. Damit ist die Migration per Assistent meist ein prima Weg um schnell die Hardware zu wechseln, trotz mancher Probleme, die dabei auftreten können.

Es kann aber trotzdem nicht schaden, dann und wann mal bei einem Hardwarewechsel auf den Migrationsassistenten zu verzichten, sich einen neuen User einzurichten und die benötigten Daten und Programme manuell rĂŒber zu ziehen. Das dauert zwar etwas lĂ€nger, aber hat eine Menge Vorteile.

Die meisten von uns haben ihre Daten heute auf externen Speichern im Netz, sei es das lokale NAS, ein NextCloud auf einem Webserver oder eine Cloud-Lösung wie iCloud, OneDrive, Dropbox
 Wir haben ja alle mehrere GerĂ€te und wollen sie alle nutzen und auf unsere Daten eben an dem GerĂ€t zugreifen, das wir gerade nutzen. Diese Daten muss man also also sowieso gar nicht migrieren. Und selbst wenn die Daten nur lokal auf dem Mac liegen, im Idealfall liegen die ja an den vorgesehen Ordnern im Userverzeichnis unter Dokumente, Filme, Bilder usw.

Mails liegen auch meistens auf dem Server oder verwendet jemand wirklich noch POP3 fĂŒr den Mailabruf? IMAP sollte sich doch inzwischen durchgesetzt haben. Und sehr viele Programme speichern – auf Wunsch – ihre Einstellungen inzwischen auch online.

Bei den Programmen ist die manuelle Migration eine gute Gelegenheit im Einzelfall zu entscheiden, was man wirklich braucht und noch nutzt und was weg kann. Mit der Zeit sammeln sich auf jedem Mac Programme an, die man nur mal getestet und nach einem ersten Test nie wieder benutzt, aber auch nicht vom Rechner geschmissen hat. Und abgesehen von den Programmfiles selbst: Die legen schon beim ersten Start Dateien und Ordner an fĂŒr Einstellungen, Caches usw. – die will man ja gar nicht migrieren.

Das ist die andere Sache: Zwar ist nach meiner Erfahrung macOS im Vergleich zu Windows weniger anfĂ€llig fĂŒr VermĂŒllung, aber eben auch nicht ganz immun. Über die Jahre können sich da in diversen Verzeichnissen unterhalb von ~/Library einige GB an DatenmĂŒll ansammeln.

Übrigens: Es gibt auch sehr gute GrĂŒnde auf einem Mac mehrere Nutzeraccounts anzulegen, selbst wenn man ihn alleine nutzt. Aber dazu vielleicht in einer anderen schlaflosen Nacht mehr
 😉

Veröffentlicht von

Ein humanistischer Misanthrop (oder umgekehrt), der seit sehr vielen Jahren Dinge ins Internet schreibt und das weiter tut. In diesem Weblog finden sich nun aktuelle BeitrĂ€ge und alte BeitrĂ€ge seit 2004, die das Löschen von reichlich altem Scheiß ĂŒberlebt haben.

Eine Antwort auf “Ein neuer Mac: Migration oder nicht?”

  1. Danke fĂŒr diesen Artikel. In absehbarer Zeit kommt nĂ€mlich genau das auf mich zu. 🙂

    Und was „Es gibt auch sehr gute GrĂŒnde auf einem Mac mehrere Nutzeraccounts anzulegen, selbst wenn man ihn alleine nutzt.“ angeht: dieses Thema interessiert mich ebenfalls und ich wĂŒrde sehr gerne mehr darĂŒber lesen.

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