Ach, das kann doch jedem mal passieren…?

Ist das eine Bewerbung für eine Merkbefreiung oder einfach nur Realitätsverweigerung? Der Bürgermeister von Müngeln, Gotthard Deuse hält seine Stadt nicht nur für frei von Rechtsextremismus, er ist auch noch der Meinung, dass jeder ja mal ein paar ausländerfeindliche Parolen brüllen könne:

«Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen», sagte der FDP-Politiker der «Financial Times Deutschland»

Nein Herr Deuse, das kann nicht jedem über die Lippen kommen und es darf auch nicht jedem über die Lippen kommen, schon gar nicht während einer Hetzjagd, bei der acht Menschen von 50 anderen gejagt und verprügelt werden. Aber mal eine ganz blöde Frage: einerseits behaupten Sie, Ihre Stadt wäre frei von Rechtsextremismus, aber dann beklagen Sie sich, dass Ihnen keine Tipps gegeben wurden für den Kampf gegen Rechtsextremismus:

Tiefensee hätte «als ehemaliger Oberbürgermeister von Leipzig, der mit Rechtsextremismus schon zu tun hatte, Tipps geben können, statt pauschal zu kritisieren», sagte Deuse.

Ja wozu denn? Wenn es in Ihrer Stadt keinen Rechtsextremismus gibt, was wollen Sie dann mit Tipps für den Kampf gegen Rechtsextremismus? Brauchen Sie doch nicht. Oder gibt es vielleicht doch so ein ganz klein wenig Rechtsextremismus auch in Ihrer Stadt? So wie inzwischen überall, egal ob Ost oder West, Stadt oder Dorf?

6 Comments

Dieser Mann ist einfach nur Wiederlich. Wenn die FDP Courage hätte, würde sie ihn sofort aus der Partei ausschließen.

Merkwürdig finde ich auch das zurückhaltene Schweigen des Innenministers und seiner Konsorten. Wo bleiben die Warnungen vor größeren Terror und die obligatorische Forderung nach dem Bundestrojaner? Dem braunen Terror fallen schließlich jährlich mehr Menschen zum Opfer als der RAF in all den Jahren.

Schlimm ist doch, dass er nur so reagiert wie fast jeder andere Bürgermeister in so einem Fall auch reagieren würde (oder reagiert hat): erstmal runter spielen, Einzelfall und überhaupt, es gibt ja kein Problem mit Rechtsextremismus in der eigenen Stadt… Augen zu und durch und immer an den Ruf der Stadt denken – langsam sollten die doch kapiert haben, dass durch solche Verharmlosungen der Ruf einer Stadt erst recht leidet…

@korrupt: innerhalb weniger Tage jetzt schon der zweite Hinweis auf diesen Satz – das sollte der Menschheit doch mal zu denken geben wink

Ich glaub, der davor war nicht ich.

Aber ontopic, diese Wegluegerei kann ich nachvollziehen, die ergibt fuer den Buergermeister ganz platt machtpolitisch Sinn. Soll er. Aber dass da die Leute dann kommen und Civitas abschaffen wollen oder die Existenz eines (breiten) rechten Rands in .de leugnen, einen auf die schlimmen linken Verfassungsfeinde machen usw. – ich kapiers nicht. Das hat doch alles mit Realitaet nichts mehr zu tun.

Nö, war Princo, aber er hat auf Dein Weblog verwiesen smile

Das mit der Realitätsverweigerung scheint ansteckend zu sein, ich habe wirklich den Eindruck, dass es immer weiter um sich greift…

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