Und was machst eigentlich du?

Klar, kaum geht es in Diskussionen mal um das Thema „Klima“, kommt immer wieder gerne die Frage, was man denn selbst mache. Das kann durchaus eine berechtigte Frage sein, meistens wird sie aber nur gestellt, um dann das Argument zu bringen, dass neue Gesetze und Steuern ja unnötig seien, so lange doch die schlimmen Gutmenschen nicht mal persönlich alle zu 100% CO2-neutral leben würden. Ist natürlich ein doofes Argument, aber die Frage nach dem persönlichen Beitrag kann man sich schon mal stellen. Auch wenn wir mit solchen individuellen Entscheidungen alleine sicher nicht das Klima retten werden, schaden kann es ja mal nicht, zu schauen, was man selbst tun könnte und was man davon tut.

Strom

Wenn es um Strom geht, dann bin ich schon sehr lange klimaneutral: Seit 2004 beziehe ich meinen Strom ausschließlich von Ökostromanbietern. Um genau zu sein sind es Anbieter von Strom aus Wasserkraft: nachhaltig, sauber, CO2-neutral. Trotzdem versuche ich immer Strom zu sparen, wo es möglich ist – auch sauberer Strom wird noch besser, wenn man ihn nicht verbraucht. Wenn also Geräte ersetzt werden müssen, dann ist der Stromverbrauch mindestens unter den Top-3-Kriterien bei der Auswahl. Statt alles auf Stand-By laufen zu lassen, nutze ich Steckdosen mit Schalter. Wobei ich zugebe, dass ich immer noch eine Grenze dabei habe, wie weit ich auf Komfort verzichten möchte. Da ginge sicher noch mehr, wenn ich mehr verzichten würde. Aber selbst mit dieser Grenze hatte ich es bisher fast immer geschafft von Jahr zu Jahr weniger Strom zu verbrauchen, zumindest aber nicht mehr.

Getränke

Statt Unmengen von Plastikflaschen zu schleppen, trinke ich seit einigen Jahren (seit es alterantiv zu den Platikflaschen die Glasflaschen von Sodastream gibt) per Sodastream aufgesprudeltes Wasser. Ist bequemer, günstiger und spart reichlich Verpackungsmüll. Beim Sirup dazu ist die Auswahl an solchen in Glas- statt in Plastikflaschen nicht so prickelnd, aber ich suche weiter. Zumindest ist es schon mal deutlich weniger Plastikmüll. BTW: Gibt es eigentlich keinen ordentlichen Tonic-Sirup?

Verkehr

Es ist natürlich relativ leicht auf ein eigenes Auto zu verzichten, wenn man keinen Führerschein hat. Auf der anderen Seite gibt es natürlich immer Gelegenheiten bei denen ich bei anderen mitfahre (einen Einkauf bei Ikea will niemand mit dem Bus transportieren ?). Und bei Flugreisen war ich in meinem Leben auch sparsam, es waren weniger als 10 (jeweils Hin- und Rückflug), davon nur ein Inlandsflug (Nürnberg – Berlin) für meinen damaligen Arbeitgeber.

Ernährung

Inzwischen achte ich verstärkt darauf, woher die Sachen kommen, die ich kaufe. Ich sehe es zum Beispiel nicht ein, „Bio“-Gemüse zu kaufen, das aus Israel, Ägypten oder auch nur Spanien in den Supermarkt gekarrt wird. Was ist denn da noch „Bio“, wenn die Sachen hunderte und tausende Kilometer weit durch die Welt transportiert werden? Mal abgesehen davon, dass ich mich frage, wie nachhaltig und fair zum Beispiel der Anbau von Weintrauben in Indien sein kann, wenn die Trauben dann bei uns für 1,99 pro 500g-Schale im Regal liegen…

Und dann ist da das Fleisch. Zu meiner eigene Verblüffung musste ich feststellen, dass ich ganz aus Versehen immer weniger tote Tiere esse. Es kommt tatsächlich öfter vor, dass ich eine ganze Woche lang nur einmal Fleisch esse: am Burger-Freitag. Das war und ist keine bewusste Entscheidung, es ist einfach so passiert. Klar, bewusst war die Entscheidung immer wieder mal diverse Ersatzprodukte zu probieren, aber die Entscheidung was ich konkret esse, treffe ich immer ziemlich spontan danach, was mich gerade anlacht. Und Fleisch lacht mich halt immer seltener an. Also auch kein Verzicht. Und auch mit diversen veganen Milch-Alternativen im Kaffee habe ich experimentiert (Mandel- oder Hafermilch taugen hier am besten) und Alpro Soja „Joghurt“ ist auch lecker, aber ganz auf Milchprodukte und Eier (immerhin schaue ich immer nach Eiern aus „schredderfreier Produktion“ seit ich die das erste Mal gesehen habe) kann will ich wirklich nicht verzichten. Vor allem Käse…

Grünzeug

Ich beherberge inzwischen auch ein bisschen Grünzeug und es (über)lebt. Keine Ahnung, wie viel Grünzeug ich so unterbringen muss, um meinen CO2-Abdruck damit auszugleichen, wahrscheinlich wäre in der Wohnung kein Platz mehr für mich – aber Kleinvieh und Mist und so.

Fazit

Da ist echt noch Luft nach oben, aber es geht schon ein bisschen was – ganz ohne das Gefühl auf etwas zu verzichten. Im Gegenteil: Weniger Strom zu verbrauchen spart Geld, Sodastream spart das Schleppen von schweren Flaschen usw. Eigentlich überraschend, dass das nicht längst alle machen? Zumindest habe ich jetzt hier einen Link für das nächste Mal, wenn jemand fragt „Bevor du eine CO2-Steuer befürwortest, sag‘ doch erstmal, was du persönlich für das Klima tust!“.

Eine Frage noch: Ist das eigentlich nur mein Eindruck oder kommt die Frage „Was machst denn du persönlich für’s Klima?“ von den gleichen Menschen, die auch gerne die Frage „Und wie viele Flüchtlinge hast du in deiner Wohnung aufgenommen?“ stellen?

Bild von Gerd Altmann via Pixabay

3 Comments

Hey Carsten,
schön geschrieben. Ich stimme dir zu, die Frage kommt meist von den Menschen, die selbst nicht bereit sind etwas zu ändern. Hauptsache meckern. Dabei ist es doch so einfach. Statt Plastetüten im Supermarkt zu kaufen, habe ich eine (oder mehrere) Kisten im Auto, die ich zum Einkaufen verwende. Und wenn ich nur einen kleinen Einkauf machen muss nehme ich einfach einen der vielen Stoffbeutel, die ich zu Hause habe und mache mich eben mal per Pedes auf den Weg zum nächstgelegenen Laden und tue dabei auch noch was für die Gesundheit und Fitness.

Klar, nicht überall hat man alle Möglichkeiten. Wir haben hier auf dem Land leider nur einmal die Woche Markttag, was einen Wocheneinkauf nicht immer so einfach macht. Und ja, Bio oder regional ist nicht immer günstig. Aber zumindest weiß ich woher es kommt und kann mir ggf. selbst ein Bild davon machen.
Einen 100%ig neutralen ökologischen Fußabdruck bekommt glaube ich niemand hin. Es sei denn man gliedert sich aus dem sozialen Leben aus, zieht ins Hinterland, baut alles selbst an und lebt nur von „Wasser und Brot“. Aber das ist auch kein Leben.
Getreu dem Motto „Kleinvieh macht auch Mist“ werde ich gleich erst mal mein Balkonbeet durchgehen und schauen, was raus muss. Immerhin ist die Saison langsam zu Ende.

Grüße, Sebastian

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[…] schon wieder Listerien in Fleischprodukten, lecker. Da ich meinen Fleischkonsum sowieso schon reduziert habe und weiter reduzieren will, hatte ich letzte Woche mal bei der vegetarischen Wurst von der Rügenwalder Mühle zugegriffen. […]

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