Allgemein

Ich bin also unhöflich

Wenn der Kerl uns nicht s gewaltig auf die Nerven fallen würde, dann wäre es ja schon lustig. Der Kerl ist der neue Eigentümer einer der Wohnungen im ersten Stock. Der ist eingezogen und hat gleich mal durch tage- und wochenlanges Hämmern und Schlagbohren mitgeteilt, dass er jetzt da sei. Mittagsruhe? Hausordnung? Nö… 

Also bin ich da dann runter zu ihm und hatte ihn darum gebeten, dass er doch zumindest in der Mittagszeit den Lärm einstellt. Wir wohnen zwar im dritten Stock, aber so eine Schlagbohrmaschine macht auch über Stockwerke hinweg einen Höllenlärm. Der Meister (zumindest scheint er sich für einen solchen zu halten) meinte aber, das hätte ich nur so dahin gesagt, ich würde eigentlich auf diesen Höllenlärm stehen und wollte nur ein Witzchen machen oder so. Und selbst wenn, es sei halt doof, wenn man renovieren müsse und er müsse renovieren und ich wüsste ja jetzt bescheid und solle gefälligst mein Maul halten. Nun gut, die Hausverwaltung war dann doch eher unserer Meinung, was sie dem Schlagbohrkasper dann auch mitteilten und dann war zumindest in der Mittagszeit Ruhe.

Und was passiert heute? Ganz genau, er greift wieder zum Schlagbohrer. Mal abgesehen davon, dass in der Wohnung inzwischen eigentlich keine Wand mehr stehen dürfte, ist es nun mal Sonntag. Also wieder runter, klingeln, er stürmt raus (oh, an dieser Stelle sollte ich wohl Angst bekommen und flüchten, ist mir aber erst später eingefallen) und begann den unglaublich erhellenden Dialog mit „WAS IS?„. Nun gut, ich sagte ihm was ist: „Es ist Sonntag„. „NA UND?„. Ooookay, ich versuchte ihm also zu erklären, dass die Hausordnung an Sonn- und Feiertagen eben das Bohren und Hämmern untersagt, es Menschen gibt, die am Sonntag gerne in Ruhe daheim bleiben und sich erholen wollen, was bei so einer Geräuschkulisse eben nicht wirklich möglich sei.

Was dann kam wäre ja fast lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Ich solle ruhig die Hausordnung rufen (?) und überhaupt sei ich ja unhöflich – ich käme da an und würde mich über seinen Lärm beschweren (und der arme Mann muss halt am Sonntag bohren, wie er mehrfach versicherte) ohne mich vorzustellen! 

Jetzt bin ich nun echt kein Knigge-Fetischist, aber ich frage mich gerade, was denn nun da wirklich als unhöflich gilt: neu irgendwo einzuziehen, die eigene Existenz und Anwesenheit über Tage und Wochen ausschließlich mit Hilfe von Schlagbohrmaschine und Hammer anzukündigen oder eben bei so jemanden zu klingeln und darauf hinzuweisen, dass es noch andere Bewohner in diesem Haus gibt? Kennt sich da jemand aus? Mein persönliches Höflichkeitsempfinden würde da ja eher dem Schlagbohrkasper Unhöflichkeit unterstellen…

Es sagt ja niemand was, wenn es mal lauter wird, aber so was kann man ganz einfach und effektiv bekannt machen, so wie die Menschen, die vor einiger Zeit in den vierten Stock eingezogen sind und sich den Nachbarn einfach per Aushang im Aufzug vorgestellt und um Verständnis für die Lärmentwicklung beim Einzug gebeten haben. Ja, so geht es auch…

Und ein Wort an unsere lieben Nachbarn: die Wohnungstür aufzureissen und ein „Was soll der Lärm?“ ins Treppenhaus zu rufen ist mindestens so ineffektiv, wie in der eigenen Wohnung so laut über das „A****loch“ zu zetern, dass man es im Treppenhaus hört. Wirklich.

10 Antworten auf “Ich bin also unhöflich”

  1. Ich kann Deinen Ärger absolut gut nachempfinden. Es gibt Menschen, die eine ganz eigene Vorstellung vom Miteinander haben. Ein ehemaliger Nachbar hatte die Angewohnheit, nachts um 03.00 Uhr Klavier zu spielen. Dies allein wäre vielleicht sogar noch zu ertragen gewesen, da das Klavier nur gedämpft zu hören war. Was wirklich störte, war das Taktschlagen mit dem Fuß. Das war so laut, dass ich nachts regelmäßig wach wurde.

    Irgendwann habe ich mir einmal angewöhnt, alles, was mir nicht passt, direkt anzusprechen. Ist oft unbequem und manchmal auch unangenehm, aber hilft in der Regel. Nicht so bei diesem Nachbarn. Er war felsenfest davon überzeugt, dass er als Künstler ein Recht auf tägliches Üben für 2 Std. habe. Dass diese Übungszeiten in die normale Tageszeit fallen sollte (ich vermute mal, dass 07:00 Uhr – 13:00 Uhr und 15:00 Uhr bis 22:00 Uhr hinzunehmen wären), hat er auch nach der dritten Diskussion und mehreren von mir nicht durch geschlafenen Nächten nicht eingesehen.

    Erst nachdem ich verbal deutlicher werden musste, wurden die nächtlichen Übungseinheiten eingestellt und das Klavier ab 20:00 Uhr bearbeitet.

    Irgendwann hatte der Gute dann eine Freundin, mit der er nach zwei Wochen begann, das Kamasutra durchzuackern. Nach einiger Zeit war ich wie der Pawlowsche Hund konditioniert: sobald ich ein lauthals geseufztes „Oh ja, das tut gut“ hörte, wusste ich, dass die nächste Stunde von Poltern, Grunzen und spitzen Schreien geprägt sein würde. Das Adrenalin stieg parallel zum Blutdruck.

    Ich hatte gerade Besuch, als mein Nachbar wieder seine Freundin in der Schubkarrenstellung einmal quer durchs Wohnzimmer geschoben hatte und sie mit ihren Pfennigabsätzen rhythmisch das Parkett zerstörte. Ob des ungläubigen Staunes ging ich ein Stockwerk höher, um dem Treiben durch lautes Klopfen an die Tür Einhalt zu gebieten, was mir auch für eine kurze Zeit gelang. Als mein Besuch zu späterer Stunde verließ, wurde der Gang durchs Treppenhaus vom Klatschen nackten Fleisches aufeinander und stakkatomäßigem Grunzen begleitet. Ziemlich unangenehm.

    Auch hier erntete ich Unverständnis, nachdem ich darauf angesprochen habe: wir lebten doch im 20. Jahrhundert. Da sei das doch normal und man müsse sich nicht aufregen. Gerade als junger Mensch müsse man doch Verständnis zeigen.

    Mir ist immer ziemlich schwer begreifbar, wo der Kern solcher Ignoranz zu finden ist.

    Ich hoffe, dass Du eine befriedigende Lösung findest.

    1. Kim

      Ich persönlich würde nochmals nachdrücklich bei der Hausverwaltung am Montag die Sachlage auf den Tisch bringen und darum bitten, dass die Hausverwaltung den Lärmenden zusätzlich zur mündlichen Aufforderung, die sie wohl ausgesprochen hatte, noch schriftlich auf die Situation hinweist.

      Als Selbst-Wohnungseigentümer und Beiratsmitglied denke ich, dass einer solchen Ignoranz sofort Einhalt zu gebieten ist, denn wo soll sowas hinführen?

      Das endet vielleicht dann sogar darin, dass besagter Neubewohner seinen Müll auf dem Treppenhaus lagert, das Treppenhaus ferner als Lagerfläche benutzt und sich sonst auch noch aufführt, als wäre er der King.

      Vielleicht das Thema wirklich unter dem Punkt „Sonstiges“ auf der ETV zur Sprache bringen (wenn sich die Situation weiter so gestaltet).

  2. Das erinnert mich irgendwie an die eigene Nachbarschaft. Ich bin der festen Überzeugung, dass fast jeder ein Buch schreiben könnte über das Benehmen und Verhalten von Menschen in direkter Nachbarschaft.

    Das gefährliche an der Sache : Irgendwann stellt man sich selbst die Frage wer eigentlich Recht hat, bzw. ob man nicht etwas übertreibt. Und man steckt zurück bis einem irgendwann der Kragen platzt.

    Das Beste was ich bei Freunden in einer Mietskaserne erlebt habe : Deren Nachbarn hatten einen Hund, den Sie zum Gassi-führen immer in den Fahrstuhl brachten, damit er dort sein Geschäft verrichten konnte. 4 Monate hat es gedauert, bis die Wohnung neu vermietet wurde…

  3. dobschat

    @Kim

    Er hat jetzt erstmal von der Hausverwaltung sein persönliches Exemplar der Hausordnung bekommen, schriftlich und interessante Stellen, wie die zum Thema „Lärm“ sind noch extra markiert 😉

    @Sven

    Ähm wie jetzt? Die haben ihren Hund regelmäßig in den Aufzug kacken lassen? Heftig.

    @Thomas Nesges

    Ich bin also unhöflich… aber damit kann ich leben 😀

  4. Da bin ich mit dem Flöte übenden Kind oben drüber ja noch gut bedient. Auch wenn das Sonntagsmorgens um 9 echt nervend ist, weil ich dann manchmal grade ein wenig im Delirium liege.

    Wenn die Plagen aber für ihren Trampolin-Kurs üben, dann nervt das schon ein wenig.

  5. dobschat

    @Martin Schneyra

    Ich habe ja noch die Hoffnung, dass der Kerl irgendwann alle seine Wände kaputt geschlagbohhämmert hat und dann wäre ja endlich Ruhe… und die Kinder werden irgendwann keine Lust mehr auf Blockflöte haben, ich hoffe für Dich, dass sie dann nicht auf Schlagzeug umsteigen 😉

  6. Chris

    Hört sich definitiv nach einem Kleinkrieg an , so wie es sich in einer guten Nachbarschaft gehört *g*
    Es ist unglaublich wie egal es manchen Menschen ist wenn sie negativ auffallen…Ich hatte genau das gleiche Spielchen, dachte mir „ach komm legst du dich noch ein bisschen ins Bett und genießt deine freie Stunde“, und dann fing mein werter Herr Nachbar an Regale an seine Wand zu bohren… Um 12 Uhr versteht sich , wann denn sonst ?
    Tja und dann ging das ganze erst einmal richtig los.
    Als er die Regale installiert hatte, dachte er sich „naja wenn ich die Bohrmaschine schon einmal hier habe mache ich direkt alle anliegenden arbeiten fertig“… Und siehe da, es mussten noch eiiiinige löcher gebohrt werden.
    Ich bin zu ihm gegangen in freundlicher absicht natürlich…Wollte ihm quasi den „Hinweis“ geben das er nicht alleine in diesem Haus lebe, und seine Antwort lautete: “ Hören sie, ich bohre wenn ich bohren will also stören sie mich nicht bei meiner Arbeit“. Ich war so verblüfft das ich nichts mehr zu sagen hatte und zog mich verärgert in meine Wohnung zurück.
    Erst als eine alt eingesessene Nachbarin auf den „Tisch haute“ und ihm so richtig ihre meinung geigte ist der Bohrer verstummt… Bis heute , und ich frage mich immer noch was genau sie ihm gesagt hat.
    🙂

    Wie dem auch sei- Streit/STress mit dem Nachbarn ist eine äußerst unangenehme Situation und läßt kaum spielraum für freundlichkeiten wenn es sich um einen Ignoranten Nachbarn wie meinen / deinen handelt… Und was ist die Lösung ? Einen Nachbarn der auf seine ARt noch viel schlimmer ist, und kein Blatt vor den Mund nimmt… Gelobet sei die ältere Generation unserer geliebten Mitbewohner, denn diese wissen noch was es heist Rechte durchzusetzen…

    Mit freundlichem Gruß, Chris

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.