In den letzten Tagen wurde mein kurzer Beitrag zur Fotoveröffentlichung bei PI mehrfach auf einer sog. “Linkkette” verlinkt. Ausgegangen ist das anscheinend vom Weblog “politisch inkompetent”. Angeschlossen habe ich mich dieser “Linkkette” nicht. Ich halte mehr davon, den Bloghoster myblog.de auf konkrete Verstösse gegen die AGB aufmerksam zu machen. Der Forderung nach einer kompletten Schließung der betroffenen Blogs kann ich mich – zumindest bei meinem derzeitigen Kenntnisstand – nicht anschliessen. Meinungsfreiheit ist einfach zu wichtig um zu schnell zur Zensur zu greifen. Und wie ich an anderer Stelle schon schrob:
Zensur funktioniert nicht – Meinungen und Gesinnungen kann man nicht verbieten.
Mit einer Löschung dieser Weblogs hätte man also nur erreicht, dass die Macher sich andere Wege suchen Ihre Propaganda zu verbreiten. Das heisst nicht, dass ich den Protest komplett ablehne, wirklich nicht. Protest gegen die Missachtung von Persönlichkeitsrechten und anderen Gesetzen und gegen Mordaufrufe aus dem Umfeld dieser Weblogs ist wichtig und richtig und diesem Protest schließe ich mich auch gerne an. Aber die Forderung nach einem Totalverbot halte ich für überzogen. Grundsätzlich bin ich eben der Überzeugung, dass man sich mit Meinungen, egal wie abwegig sie sind, erstmal inhaltlich auseinandersetzen muss. Ja, setzt Euch mit denen auseinander – sei es in Kommentaren dort oder in Euren eigenen Weblogs. Und wenn es zu Verletzungen der geltenden Spielregeln (Gesetze und AGB des Hosters) kommt, dann teilt das den entsprechenden Stellen mit.
Sehr interessant ist ja auch, was die Betreiber dieser Weblogs und ihre Freunde so aus dem Protest machen. Wenig überraschend, dass Herr Entenmann wieder einen Blog-Mob wittert, auch keine Überraschung sind die üblichen Theorien einer “linken Verschwörung gegen die Konservativen”. Es ist nun mal so, wie ich bei Herrn Entenmann auch schon in den Kommentaren geschrieben habe:
kaum erwischt man einen Rassisten und klopft ihm auf die Finger, schon ist es die “böse linke Weltverschwörung”, die den “armen armen Konservativen” den Mund verbieten will.
Egal ob rechts oder links: für sich selbst Meinungsfreiheit und Toleranz einfordern können sie alle genauso gut, wie sie genau dies dem Gegner verweigern. Leute, so macht das keinen Sinn. Das ist mal wieder eine gute Gelegenheit für mein Lieblingszitat von Rosa Luxemburg:
Freiheit ist immer Freiheit des Andersdenkenden.
Ach ja: ich war absichtlich sparsam mit Links in diesem Beitrag – die wenigen Links führen aber zu Seiten mit vielen weiteren Links – genug, um sich selbst ein Bild zu machen.
Update 06.08.2006 11:21 Uhr: Nur um es noch mal klar zu sagen: ich habe nichts gegen Verlinkungen auf mein Weblog im Rahmen des Protests – aber bitte ohne mich dabei ungefragt zu einem “Unterzeichner” eines Forderungskatalogs zu machen! Und schon gar nicht, wenn Teil des Forderungskatalogs die komplette Löschung anderer Weblogs ist. Ich möchte selbst entscheiden, welche Forderungen ich unterstütze und bei so gravierenden Forderungen wie der Schließung anderer Weblogs nehme ich mir für so eine Entscheidung auch gerne das Recht heraus, sie nicht mal eben schnell zu treffen, sondern mir Zeit zu lassen und mich selbst zu informieren.


5 Kommentare
Das ich mich persönlich an diesem Protest nicht beteilige hat Gründe, zum einen weil er kontraproduktiv ist und zum anderen, weil man dann mit Leuten in einem Boot sitzt, die selbst nicht gerade durch übermässige Toleranz auffallen. Dennoch denke ich, dass man in diesem Fall nicht von Zensur sprechen kann. Was dort passiert sind ein paar Gutmenschen die eine Art virtuelle Lichterkette veranstalten wollen und ein paar Linke, die damit ihre eigenen Ziele verfolgen. Zensur kann ich dabei nicht erkennen.
Das es auch Teil der Aktion ist PI & Co unter die Lupe zu nehmen, um evtl. Verstöße gegen Gesetze zu finden, ist zwar eine andere Sache, aber auch keine Zensur. Wenn CA, ein weiteres Blog im Dunstkreis von PI, im Augenblick dicht ist, weil der Spiegel etwas dagegen hat das sein Content geschlossen kopiert (gestohlen) wurde, ist das auch keine Zensur, sondern ein Verstoß gegen das Urheberrecht.
Lange Rede, kurzer Sinn. Linkkette ja, Zensur nein!
Guten Morgen, tatsächlich startete die “Kette” durch weltregierung und blueajax und hophnung. Das vereinnahmende “wir”, das durch einen späteren Beitrag bei politisch inkompetent aufgetaucht ist, finde ich auch unangenehm, weswegen ich den von martina kausch geänderten Text übernommen habe, als ich mich entschloss die Liste zu übernehmen. Im ersten Schritt hatte ich nur einen älteren Artikel über PI mit üblichen Verlinkungen modifiziert.
Ich fände es schade, wenn die in den letzten Tagen entstandene Protestwelle anfinge sich selbst zu zerfleischen. Letztlich ist es doch üblich aufeinander zu verlinken. Ich werde aber meinen aktuellen Beitrag ändern, damit das eindeutiger wird.
@somlu: Ich habe echt nichts dagegen verlinkt zu werden im Rahmen des Protestes. Was ich aber nicht mag: ungefragt als “Unterzeichner” eines Forderungskatalogs aufgeführt zu werden. Das mag ich nicht mal, wenn ich den Forderungen 100&#xig; zustimmen könnte. Und den Forderungen von politisch inkompetent kann ich mich nun mal nicht uneingeschränkt anschliessen.
Die Art und Weise wie Du oder hophnung (und einige andere, die ich jetzt hier nicht aufgeführt habe) verlinken ist für mich echt kein Problem – ich mag nur nicht, wenn man mir irgendwelche Forderungen unterstellt. Kommt vielleicht in meinem Beitrag oben nicht deutlich genug raus – aber dafür gibt es ja die Kommentare
So habe ich Dich auch verstanden und um mich von der Vereinnahmung, die passiert ist, habe ich auch meinen Beitrag noch mal deutlicher formluliert, also in meinem Blog.
Ein Weblog ist ein persönliches Internettagebuch. Mein Weblog ist mein persönliches Internettagebuch. Dort schreibe ich was ich will und wie ich es will. Das Gleiche gestehe ich auch anderen Bloggern zu.
Was nun die Forderungen nach Löschung von Blogs betrifft, so ist allein die Vorstellung schon ein Skandal. Letztendlich ist es nur ein Zeichen für fehlende oder schlechte Argumente.