Mein neues Lieblingsland…

Wenn die Franzosen jetzt noch die sog. “EU-Verfassung” ablehnen (und so sieht es ja derzeit aus), dann ist Frankreich ab sofort mein Lieblingsland 😉
Immerhin hat ein Pariser Gericht tatsächlich ein Recht auf Privatkopie bejaht. So was müsste mal in Deutschland passieren, aber hier darf man sich ja nur anhören, dass es darauf kein Recht gäbe (obwohl man kräftig für solche Kopien abkassiert wird), sich als Raubkopierer beschimpfen lassen (bevorzugt beim bezahlten Kinobesuch oder beim Anschauen einer gekauften DVD – bei einer Kopie wäre der Mist ja raus geschnitten) und wehe man benötigt Zusatzsoftware um sich die Songs einer gekauften (Un-)CD auf den Rechner und damit den MP3-Player zu ziehen (das wäre ja Umgehen eines Kopierschutzes und man stünde mit einem Bein im Knast).
Da bekommt man zwangsläufig den Eindruck, von Seiten der Musik- und Filmindustrie immer öfter nicht mehr als (potentieller oder tatsächlicher) Kunde, sondern als Feind, bestenfalls noch Konsumvieh gesehen zu werden. Oder um es in einen griffigen Spruch zu packen: “Halt’s Maul und kauf!”

11 Kommentare

  1. crocodilesnap

    bei dem Eindruck als “Konsumvieh” angesehen zu werden muss ich Dir wirklich recht geben. Und am besten die Klappe halten und dankbar sein für die zur Zeit “ach-so-gute” Musik.
    Aber bist Du Dir ganz sicher, das Frankreich Dein Lieblingsland werden könnte? Ich meine die Essen dort Froschschenkel statt Schweinebraten und Käse statt Pressack (schreibt man das fränkisch korrekt jetzt eigentlich mit drei s?) und rappen tun die übrigens auf dieser eigenartigen Sprache, diesem französich.
    Ich glaube Du entwickelst langsam eine Nähe zu Frankreich umso mehr Du Dich diesem Land näherst … wink

  2. dobschat

    Also Käse statt Press(s)ack geht okay smile

  3. Naja, also in erster Linie gehts den Franzosen dabei ja nicht um die EU, die von ihrem Staat maßgeblich mitgestaltet wird -der nebenbei genauso wie der deutsche trotz Nettozahlungen davon kräftig profitiert- sondern darum, daß sie endlich Chirac für seine verfehlte Sozial- und Arbeitsmarktpolitik sowie seine ganzen Skandälchen abzustrafen, nachdem sie ihn schon mit 80 % zum Präsidenten wählen MUSSTEN.

    Die EU spielt bei der ganzen Chose ungefähr die gleiche Rolle, wie ein kleiner Teppichverkäufer beim Clubspiel….

  4. dobschat

    Naja, die Stimmung ist nicht nur wegen Chirac so mies was diese Verfassung angeht, sondern durchaus auch aus sachlichen Gründen, von denen es genug gibt, die gegen diese Verfassung sprechen… und wenn wir Deutschen schon nicht gefragt werden, dann bin ich wenigstens den Franzosen für eine Ablehnung dankbar – egal warum sie Ablehnen smile

  5. Gegen ne sachliche Diskussion wäre ja nix einzuwenden, aber leider machen gerade bei solchen Themen politische Dumpfmacher ihre Klappe groß auf wie (in F) Le Pen oder Bruno Gollnisch.

    Die Zeit, sich die Verfassung genau zur Brust zur nehmen, hast sicher du genauso wenig wie ich. Aber wenn ich dann seh, daß bei unsrer sich nur zu gerne widersprechenden Parteienlandschaft laut der NN von heute wohl nur 20 Abgeordnete finden werden, die mit nein stimmen, dann darf man sein schnelles “Ich bin dagegen!” ruhig nochmal überdenken.

    Denn gestiegene Pizza- und Gurkenpreise hin oder her: soooo mies ist der Euro auch nicht. Auf alle Fälle ist er nicht schwach, und das war die Prognose von allen, die jetzt gegen die Verfassung wettern.
    (Und das ist nebenbei nur ein kleiner Prozentsatz im Vergleich zum nahenden Euro…)

  6. dobschat
    Nö, meine Ablehnung überdenke ich nicht - im Vergleich zum Grundgesetz wäre diese EU-Verfassung ein Rückschritt. Sie ist ein zu stark von Lobbyisten beeinflusstes Machwerk... ist meine Meinung und ich habe echt nichts gegen die EU grundsätzlich...
    Mal abgesehen davon: alleine schon der Wunsch unserer Regierung die Ratifizierung möglichst schnell und ohne zu viel öffentliche Diskussion durchzuziehen sollte jeden misstrauisch machen... 
    Wie gesagt: wir Deutsche dürfen da nicht wirklich entscheiden, wie so oft gilt der angebliche Souverän als zu blöde über solche wichtigen Themen direkt abzustimmen (alle paar Jahr bitte wählen und ansonsten die Klappe halten eben...) und in der Situation ist es mir ehrlich gesagt scheißegal wer in Frankreich noch alles gegen die EU-Verfassung ist, so lange sie abgelehnt wird. Nur weil Leute, mit denen ich sonst absolut nichts gemeinsam habe in einer einzelnen Sachfrage mit mir einer Meinung sind, wenn auch aus ganz anderen Gründen, werde ich doch deswegen nicht aus Prinzip gegen meine Überzeugung argumentieren...

    Und mit dem Euro hat das überhaupt nix zu tun…

  7. Ich stimm dir zu, daß es schöner wäre, wenn es ne Abstimmung gäbe.
    Das Problem ist dabei halt leider, daß solche Themen für den Großteil einfach zu komplex und zu emotional (und national…) für ne gesunde Diskussion ist.

    Das beste Beispiel für so ne ähnliche Diskussion war doch die längst überfällige Abschaffung des Reichsstaatsangehörigkeitsrecht aus den 30ern: jeder Bauarbeiter war dagegen, weil schon so viele Portugiesen hier arbeiten. Zwischen dem einen und dem anderen gibt es zwar überhaupt keinen Zusammenhang, aber das eine bestimmt die schnelle laute Meinung über das andere.

    Schweif ich ab? Egal wink

  8. dobschat

    Komplex ja, aber zu komplex? Kann es sein, dass die Themen schlicht und ergreifend nur entsprechend vermittelt werden müssen, was aber Zeit und ggf. auch Geld kostet? Mir will es nicht in den Kopf, warum wir über so etwas komplexes wie ein Parteiprogramm abstimmen können aber wenn es um eine einzelnes Thema geht wird es auf einmal zu komplex?

  9. “Ein einzelnes Thema”? Das Ding ist dicker als ein (un)anständiges Parteiprogramm (oder ein PHP-Handbuch…).
    Viel Spaß beim Runterladen wink
    http://www.europarl.de/index.php?psize=1024&rei=2&dok=703&PHPSESSID=9e196f85ac9d48f73557fcc5a67e7981

  10. dobschat

    Ja, ist dick – aber trotzdem nur eine Frage…
    Ach und von wegen mangelnder Auseinandersetzung der Franzosen mit dem Machwerk zitiere ich mal http://www.14h.de/1475

    So langsam beginnt auch in den deutschen Medien die Berichterstattung über die Schicksalswahl der EU. Ich meine das Referendum zur EU-Verfassung in Frankreich. Die TAZ betitelt ihren Artikel zwar als “Portrait” über Jean-Luc Mélenchon, eine der Hauptfiguren im Streit um die EU-Verfassung in Frankreich, aber der Artikel vermittelt vor allem einen ersten Eindruck bezüglich der unterschiedlichen Positionen und offenbart das bewundernswert breite politische Engagement vieler Franzosen: Monsieur Non.

    Und wo ich gerade dabei bin noch der dort veröffentlichte Auszug aus dem angesprochenen TAZ-Artikel:

    “Mélenchon ist Anhänger der EU. Er nennt sich einen europäischen Föderalisten. Er befürwortet eine europäische Verfassung […] Den Text der EU-Verfassung, den ein ‘von keinem Volk gewählter Konvent’ geschrieben hat, lehnt er komplett ab. Er kritisiert das ‘Kauderwelsch’ als ‘Beleidigung für die Bürger’ und ‘Attentat auf die Demokratie’. Zeigt sich beunruhigt, weil die EU-Verfassung die ‘meisten Wege gesellschaftlicher Entwicklung außer der Revolution’ versperre. Und beklagt, dass das Europaparlament keine legislative Macht bekommt: ‘Das ist keine Demokratie. Das nennt sich anders.’”

    Die ‘meisten Wege gesellschaftlicher Entwicklung außer der Revolution’ versperrt? Das sollte uns zu denken geben, immerhin sind die Franzosen in Sachen erfolgreicher Umsetzung einer Revolution recht erfahren… wink

  11. Das hab ich heute schon mal ausführlich beantwortet, aber in der Arbeit nimmt er das manchmal nicht.
    Daher die Kurzfassung:

    “Den Text der EU-Verfassung, den ein von keinem Volk gewählter Konvent geschrieben hat, lehnt er komplett ab”
    -> komplett irrelevant, wer den geschrieben hat. Das Deutsche Verfassungskonvent oder der Parlamentarische Rat, die das Grundgesetz entworfen haben, wurden auch nicht dafür gewählt.  Wichtig ist, wer den Text dann beschließt.
    Und das sind teils die Parlamente, teils das Volk in Referenden. Solche Referenden sind bei uns nicht verfassungsgemäß und könnten höchstens “meinungsbildenden Charakter” haben.

    "Und beklagt, dass das Europaparlament keine legislative Macht bekommt."
    -> Ist schlicht und einfach nicht richtig. Art I-20 der Verfassung: "Das Europäische Parlament wird gemeinsam mit dem (Minister)Rat als Gesetzgeber tätig und übt gemeinsam mit ihm die Haushaltsbefugnisse aus."
    Und das weiß man von daheim: Wer die Haushaltsbefugnisse hat, hat die Hosen an. Sicher könnte das Parlament aber MEHR Rechte haben.

    “Er kritisiert das Kauderwelsch als Beleidigung für die Bürger und Attentat auf die Demokratie.”
    ->Tja, so sind sie, die Gesetzestexte. Aber wenn nur drinstehen würde “piep piep piep, wir ham uns alle lieb” würde das definitiv Interpretationsfragen aufwerfen. Juristensprache ist nicht schön, auch wenn Goethe Jurist war. Aber sie ist halt leider dem Zweck (und den Anwälten…) angemessen.

    “Zeigt sich beunruhigt, weil die EU-Verfassung die meisten Wege gesellschaftlicher Entwicklung außer der Revolution versperre.”
    -> In den Raum gestellte Behauptung. Wahrscheinlich genauso richtig, wie die Sache mit der Legislative.

    Und wenn einer schon vorstellt wird mit “Er nennt sich einen europäischen Föderalisten. Er befürwortet eine europäische Verfassung” und dann halbwahre und unwahre Sachen losläßt, dann klingt das für mich wie, wenn der Haider sagt “Ich hab ja nix gegen Ausländer, aber….”…

    Nun ja, war doch keine Kurzfassung wink

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