Am Mittwoch stürmten zwei Bewaffnete die Redaktionsräume der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris und ermordeten dabei 12 Menschen. Anschließend flüchteten die Täter und wurden am Ende dieser Flucht erschossen. So weit in stark komprimierter Form die offizielle Darstellung der Ereignisse. An dieser offiziellen Darstellung werden nun immer häufiger Zweifel geäußert.
Einige äußern nicht nur Zweifel, sondern behaupten direkt, dass das alles eine „False Flag“-Operation gewesen wäre, also von irgendwelchen geheimen Drahtziehern durchgeführt (je nach Ausrichtung des Aluhuts der Mossad, der US-Geheimdienst, die Front Nationale, die Echsenmenschen) und den offiziell genannten Tätern in die Schuhe geschoben. Ich werde entsprechende Blogs jetzt ganz sicher nicht verlinken, wer die finden will, der findet die auch ganz schnell selbst. Ich schnappe mir nur mal ein paar der angeblichen Beweise dieser Verschwörungstheoretiker und setze dem einfach mal ganz langweilige Fakten und gesunden Menschenverstand gegenüber.
1. Kein Blut!!!einself!1!
Als erstes wird immer das Video genannt, in dem zu sehen ist, wie der am Boden liegende Polizist aus nächster Nähe durch einen Kopfschuss getötet wird. Angeblich soll dieses Video zeigen, dass gar nicht in den Kopf des Polizisten geschossen wurde, sondern neben seinen Kopf, denn es wäre keine Verletzung zu sehen, kein spritzendes Blut, keine Blutlache und der Kopf ist auch nicht explodiert.
Liebe Leute, schaut mal kurz bei Google Maps nach, dann werdet Ihr sehen, dass Paris nicht in Hollywood liegt. Aber ernsthaft: Es handelt sich bei dem Video um ein Handyvideo, welches aus einiger Entfernung aufgenommen wurde, dementsprechend ist die Bildqualität. Man sieht darin einen Attentäter auf den Polizisten zulaufen, auf den Kopf des am Boden liegenden Polizisten schießen und eine Staubwolke, die neben dem Kopf des Polizisten aufsteigt. Wir sehen nicht: Blut und explodierende Köpfe.
Warum ist das so? Nun, ich persönlich habe nicht viel Erfahrung mit Waffen, da ich die Dinger hasse, aber ich kenne Menschen, die da durchaus Erfahrung haben. Und so ein bisschen was bekommt man durchaus auch so mit. Zum Beispiel, dass es zig verschiedene Arten von Munition gibt. Zum Beispiel gibt es Teil- und Vollmatelgeschosse. Während die einen nach dem Aufprallen auf einen Körper aufplatzen und so richtig fiese Wunden reissen, gehen die anderen fast unverformt durch einen Körper hindurch, so dass man mit einer Kugel sogar mehrere hintereinander stehende Menschen gleichzeitig erschiessen könnte. Dann gibt es noch Unterschiede beim Gewicht, beim Material usw.
Für die Wunde, die ein Geschoss reisst sind also eine Menge Faktoren abhängig: u.a. die Waffe, die Munition, Entfernung und Winkel der Waffe zum Ziel. Mindestens die verwendete Munition lässt sich aus dem Video überhaupt nicht erkennen, alles andere höchstens schätzen. Menschen, die sich nun mit solchen Dingen auskennen, sagen mir, dass es bei der Verwendung der richtigen Munition durchaus sein kann, dass die Kugel den Kopf durch- und in den Boden einschlägt, ohne dass dabei sofort Blut zu sehen wäre, aber trotzdem Staub vom Boden aufgewirbelt wird. Die sehen keinen Grund die Echtheit des Videos und des darauf zu sehenden Mordes anzuzweifeln.
2. Der Pass!!! Im Auto!!
Im Fluchtfahrzeug der Attentäter wurde der Pass eines der beiden Männer gefunden, so dass die beiden sehr schnell identifiziert waren. Und schon kommt das Argument, dass doch niemand, der unterwegs ist einen Terroranschlag zu verüben, dabei seinen Ausweis mitnehmen würde. Das wäre doch dämlich.
Hm und warum sollte dem so sein? Ich gebe zu, ich habe bislang keine Erfahrungen damit gemacht, wie und was man so als Terrorist auf Himmelfahrtskommando denkt, aber ich versuche mir das vorzustellen. Ich habe vor zusammen mit einem Komplizen ein paar schwere Waffen in mein Auto zu packen, damit zu einer bestimmten Adresse zu fahren und dort ein paar Menschen zu erschiessen. Ich rechne mit der Möglichkeit, bei dieser Aktion mein eigenes Leben zu verlieren, aber das ist ja nicht wichtig, schließlich tue ich das alles für meinen Glauben und die 72 Jungfrauen im Paradies. Ich bin also ziemlich daneben. Aber was ich auf keinen Fall will: Auf dem Weg zum Anschlag in einer Routinekontrolle von der Polizei genauer gefilzt werden, nur weil ich keinen Ausweis dabei habe. Wie peinlich wäre denn das? Stell Euch mal vor, so ein gestandener Terrorist wird erwischt, weil er auf dem Weg zum Anschlag in einer Routinekontrolle ohne Ausweis angetroffen und bei der anschließenden Durchsuchung des Autos die Waffen gefunden wurde. Dafür gäbe es sicher keine 72 Jungfrauen, sondern nur Hohn und Spott.
Außerdem könnten die beiden ja durchaus gehofft haben, nach dem Anschlag unerkannt zu entkommen. Also werden die ihre Ausweise dabei gehabt haben, um ggf. noch schnell nach dem Anschlag das Land zu verlassen. Und warum sollte man nicht den Ausweis im Auto liegen lassen, wenn man gerade in einer etwas stressigen Situation ist. Manche Menschen vergessen ihre Sachen schon, wenn sie verschlafen haben – dagegen ist ein eben verübter 12facher Mord ungleich stressiger. Es gibt also gute Gründe, warum die ihre Ausweise dabei gehabt haben und eine simple Erklärung dafür, warum einer der beiden den dann im Auto vergessen oder verloren haben könnte. Aber was der Ausweis sicher nicht ist: Ein Beweis für eine False Flag Operation.
3. Der Selbstmord des Polizisten
Was ein Timing: Da verübt doch ein wohl recht weit oben in der Hierarchie stehender Polizist kurz nach dem Terroranschlag Selbstmord. Und schon kommen die Spekulationen, er könne vielleicht ermordet worden sein, weil er die Wahrheit aufdecken wollte oder er hätte den Selbstmord gewählt, weil er mit den ganzen Lügen nicht mehr leben konnte. Aber Depressionen, nein, das könne ja gar nicht stimmen. Aber warum nicht? Es wird doch niemand abstreiten, dass es regelmäßig Selbstmörder gibt, die ihren Tod so planen, dass er möglichst viel Aufsehen erregt. Sie springen von Autobahnbrücken und Häusern, schmeissen sich vor Züge – wichtig scheint ihnen (außer dem eigenen Ableben) dabei vor allem zu sein, dass möglichst viele Menschen es mitbekommen. Warum also sollte der Polizist nicht in genau diese Gruppe Selbstmörder gehören? Würde ich über einen möglichst spektakulären Suizid nachdenken und wäre bei der Polizei ein recht hohes Tier, so ein Anschlag wäre für mich doch der ultimative „Glücksfall“: Über meinen Selbstmord würden nicht nur ein paar hundert oder tausend Menschen reden, mein Selbstmord wäre plötzlich weltweit Thema. Maximale Aufmerksamkeit.
4. Die Terroristen wurden getötet und nicht verhaftet, um Zeugen aus dem Weg zu räumen
Angeblich soll es einen Tötungsbefehl für die Polizei gegeben haben, der in etwa gelautet haben soll: „Rettet so viele Geiseln wie möglich, aber erschiesst auf jeden Fall die Täter“. Dieser Befehl soll ergangen sein, um unliebsame Zeugen aus dem Weg zu räumen. Da die beiden ja laut den Verschwörungstheoretikern nichts mit dem Anschlag zu tun gehabt haben sollen, musste man sie natürlich aus dem Weg räumen, bevor die am Ende noch ihre Unschuld beteuern.
Jetzt kann ich mir sehr gut vorstellen, dass das Überleben der Attentäter bei dem Polizeieinsatz keine sonderlich hohe Priorität gehabt haben wird, womöglich gab es sogar den Befehl sie zu töten, aber wenn ein Geheimdienst das alles geplant und durchgeführt hätte, dann wären den Leuten dort sicher eine bessere Methode eingefallen die Sündenböcke ins Jenseits zu befördern, statt sich auf irgendwelche Polizisten zu verlassen.
5. Die Zeugen haben die Täter falsch beschrieben
Die beiden Täter wurden von Zeugen als „groß“ beschrieben, jetzt war aber mindestens einer nur 1,69m groß – was nun wirklich nicht groß ist. Und angeblich soll eine Zeugin gesagt haben, dass einer der Täter blaue Augen gehabt hätte – die beiden Brüder hätten dagegen beide braune Augen. Jetzt mal ehrlich Leute, seit wann sind Zeugenaussagen hundertprozentig korrekt? Zeugenaussagen weichen immer mehr oder weniger stark von der Realität ab. Ein Faktor, der zum Beispiel für starke Abweichungen zwischen Realität und Erinnerung des Zeugen sorgt, ist Stress und wer wäre nicht gestresst, wenn er sich auf einmal in direkter Nähe zu zwei Terroristen befindet, die mit Sturmgewehren um sich schießen?
6. Einer der beiden war Kiffer und kein Fundamentalist
Sorry, aber nur weil jemand vor Jahren mal zuviel gekifft hat, bedeutet das nicht, dass er heute noch ein harmloser Kiffer sein muss, der nur ans Fressen, Ficken und Kiffen denkt. Mal abgesehen davon, dass auch Hasch über einen längeren Zeitraum und in großen Mengen konsumiert durchaus so einiges im Hirn eines Menschen verbiegen kann. Es gibt auch einige Beispiele, die zeigen, dass so eine Radikalisierung sehr schnell gehen kann. Das ist oft nur eine Frage von wenigen Wochen. Daher beweist so eine Beschreibung von vor 10 Jahren genau gar nichts. Spannend übrigens, dass als Beleg für die Harmlosigkeit des Chérif Kouachi ausgerechnet eine Dokumentation herangezogen wird, in der seine Radikalisierung beschrieben wird. Zwar soll er sich später wieder entradikalisiert haben, aber wer weiß schon, ob er damit nicht einfach gelogen hatte oder „rückfällig“ geworden ist.
7. Für wie blöd haltet Ihr Geheimdienste eigentlich?
Es wird also behauptet, dass irgendein Geheimdienst dieses Attentat durchgeführt hätte. Es wären professionelle Killer gewesen, die da die Redaktion gestürmt hatten, die beiden Brüder wären nur Sündenböcke gewesen, die man nach dem Attentat losgeschickt hätte, damit die Polizei sie jagen und erschiessen könnte. Ich frage mich echt, ob die Aluhüte sich mal fünf Minuten Zeit genommen haben, um über diese Geschichte ernsthaft nachzudenken. Offensichtlich nicht, denn sonst würden die ja drauf kommen, wie unlogisch und abwegig ihre Geschichte ist.
Also mal angenommen, es würde wirklich ein Geheimdienst dahinter stecken. Da kam also eines Tages bei diesem Geheimdienst die Anweisung an, dass es einen neuen islamistischen Anschlag bräuchte, damit die Bevölkerung wieder richtig Angst hat. Und jetzt stelle ich mir mal vor, ich wäre bei diesem Geheimdienst für solche Anschläge zuständig. Was würde ich tun? Profikiller anheuern, die den Anschlag verüben und anschließend zwei Unschuldige mit Waffen in ein Auto setzen und darauf hoffen, dass die sich dann „richtig“ verhalten, sobald sie von der Polizei verfolgt werden? Würde ich eine große Operation daraus machen, mit reichlich Aufwand und vielen Mitwissern? Würde ich die Hinrichtung eines Polizisten inszenieren und mir damit das Problem an den Hals hängen, diesen Polizisten später auf die eine oder andere Art verschwinden zu lassen? Der könnte ja kaum am Montag zum Dienst erscheinen, als wäre nichts gewesen, der müsste entweder untertauchen oder beseitigt werden.
Oder würde ich nicht eher über Mittelsmänner dafür sorgen, dass ein paar fanatische Islamisten so einen Anschlag verüben? Indem ich über die Mittelsmänner das oder die Ziele weiter gebe und das alles finanziere? Würde ich denn als Geheimdienst und Verschwörer nicht versuchen die Zahl der Mitwisser so klein wie nur möglich zu halten, damit auch die Gefahr, dass einer auspackt oder auch nur aus Versehen Hinweise auf meine große Verschwörung ausplaudert? Jetzt mal ernsthaft darüber nachgedacht (vielleicht den Aluhut dazu kurz absetzen): Wenn es denn eine geheime Verschwörung gäbe, würden die Verschwörer dann nicht alles dafür tun, damit ihre Verschwörung und ihre Identität geheim bleiben? Würden solche Verschwörer tatsächlich ein solches Attentat so stümperhaft inszenieren, wie es die Theorien der Aluhüte beschreiben? Wenn diese Verschwörer wirklich so dämlich wären, dann gäbe es doch schon lange keine Verschwörung mehr. Glaubt denn wirklich irgendjemand, dass eine Organisation über Jahre, Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte eine weltweite Geheimverschwörung durchziehen könnte, wenn die selbst zu dämlich wären, so einen Anschlag abzuziehen, ohne offensichtliche Beweise für eine Verschwörung zu hinterlassen?
Es gibt so vieles an diesem Anschlag, was mich anwidert und erschreckt. Der Anschlag selbst natürlich, aber eben auch die gefühlten Heerscharen von Arschlöchern, die versuchen, diesen Anschlag jetzt für sich zu nutzen: Egal ob es das „Siehste, haben wir doch gesagt“-Geseiere von AfD und PEGIDA ist, die erneute Forderung nach einer Vorratsdatenspeicherung einiger Politiker, das „die waren doch selber schuld, was mussten sie auch den Islam provozieren“-Arschlöcher oder eben irgendwelche Aluhüte, die versuchen den Anschlag zu einer False Flag Operation irgendwelcher Geheimdienste umzudeuten – die alle widern mich an. Und es erschreckt mich, dass so viele bereit sind, den ganzen Mist zu glauben, den diese Gestalten von sich geben.
Nicht vergessen: Danke an Enno für sein Feedback zu ein paar Fragen 🙂


Schreibe einen Kommentar