Noch bin ich Pirat. Ich habe auch die letzten Male immer Piraten gewählt. Aber so langsam vergeht es mir. In Bonn haben die Piraten zwei Sitze im Stadtrat. Eigentlich gut, nur eben ein Sitz zu wenig für Fraktionsstatus. Also wird mit anderen Parteien über eine gemeinsame Fraktion verhandelt. Kann man ja machen, aber mit einer Partei verhandeln, die in den letzten Jahren mehrfach wegen homophober Sprüche aufgefallen ist? Echt jetzt?
Die BIG („Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit“) gilt als Ableger oder zumindest der türkischen Regierungspartei AKP nahestehend. Als wäre das noch nicht schlimm genug, ist diese Truppe eben in den letzten Jahren immer wieder durch Äußerungen gegen die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften und mit Sprüchen über ein angebliches „Schulfach ’schwul’“ aufgefallen. Und mit solchen Leuten haben die echt über eine gemeinsame Fraktion verhandelt in Bonn? Und als wäre das nicht schlimm genug:
„Wir haben lange darüber gesprochen, ob es Gemeinsamkeiten gibt“, erklärte bereits vergangene Woche der Bonner Piraten-Parteichef Klaus Benndorf gegenüber dem „General-Anzeiger“. Zwar würden die Gespräche „zwiespältig“ gesehen, aber als demokratische Partei müsse man „mit jedem reden“. Felix Kopinski, der als einer von zwei Piraten in den Stadtrat gewählt wurde, erklärte in der selben Zeitung, dass die BIG-Partei falsch wahrgenommen werde: „Ich habe meine Zweifel, ob alles, was über die BIG behauptet wird, so richtig ist.“
Ob alles so richtig ist? Verdammte Scheiße, es gab die Flugblätter, ja geht’s denn noch? Und überhaupt, woher kommt dieser Quatsch man müsse mit jedem reden? Nein, muss man nicht! Mit Vertretern homophober Parteien muss man nicht nur nicht reden, man redet mit denen einfach nicht. In dem Punkt muss ich den Grünen in Bonn zustimmen, aber andererseits sollten die vielleicht auch ihre Klappe nicht ganz so weit aufreissen, immerhin scheinen es die Mitglieder der Grünen in Bonn dann doch auch nicht ganz so streng zu sehen beim „nicht mit denen reden“ (siehe Wikipedia):
Gemeinsam mit einem sachkundigen Bürger von Bündnis 90/Die Grünen in der Kommunalpolitik warf BIG im September 2012 dem Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch (SPD) vor, mit dem Jüdischen Nationalfonds (JNF) eine „nationalistische Organisation“ zu unterstützen.


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