Politik

Deutschland alleine wird das Klima nicht retten!

In jeder, wirklich jeder Diskussion mit Klimawandelleugnern, bekennende und sich selbst belügende, kommt irgendwann das „Argument“, das Deutschland alleine das Klima doch nicht retten können, zuerst sollten doch mal die anderen was tun, wir täten doch schon so viel. Und da muss man denen wirklich zustimmen: Nein, Deutschland alleine wird das Klima nicht retten, im Gegenteil, wir arbeiten fleissig weiter daran unseren Planeten aufzuheizen!

Im Pariser Klimaabkommen haben sich die teilnehmenden Staaten selbst verpflichtet bestimmte Ziele bei der Reduktion der Treibhausgas-Emissionen zu erreichen. Unabhängig davon, dass diese Ziele sowieso schon zu schwach sind – sage ich nicht, sagen Experten – erreichen wir in Deutschland nicht einmal die, wenn wir so weitermachen.

Wir tun also gar nicht so viel für das Klima, wir machen nicht einmal unsere Hausaufgaben, die wir uns selbst ausgesucht haben! Wir sind weit davon entfernt ein Vorbild für irgendjemanden zu sein, ganz im Gegenteil: Wir sind Negativbeispiel! Und nein, das wird nicht dadurch besser, dass der Rest der G20 ihre Ziele auch nicht erreichen.

Beim CO2-Ausstoß für das Heizen und Kühlen von Häusern liegt Deutschland dem Bericht zufolge rund 50 Prozent über dem EU-Schnitt und doppelt so hoch wie der G20-Schnitt. Bei Neubauten sind die Standards demnach im Vergleich gut, müssten aber für die Klimaziele noch verschärft werden. Beim Verkehr liegt Deutschland mit seinen Pro-Kopf-Emissionen ebenfalls deutlich über dem G20-Schnitt von 1,13 Tonnen CO2. Ohne Flugverkehr sind es 1,99 Tonnen.

Tagesschau

Nein, wir tun noch lange nicht genug und schon gar nicht mehr als alle anderen. Wir bemühen uns, aber unsere geliebte Bundesregierung bekommt es nicht, sich da mal einig zu werden. Statt massiv in regenerative und fast saubere Energie zu investieren, werden Arbeitsplätze in der Kohleindustrie künstlich am Leben gehalten. Was man mit diesem Geld machen könnte, würde man es in die Windenergie stecken… Bei der Solarenergie ist der Zug abgefahren, da sind wir raus, bei der Windenergie könnten wir es noch schaffen, wenn die Damen und Herren in der Bundesregierung jetzt verdammt schnell ihre Ärsche hoch und hier was auf die Kette bekommen. Ansonsten können wir hier auch bald zu einer Zukunftstechnologie und vielen Arbeitsplätzen „Tschüss“ sagen.

Klar, man kann darüber streiten, wie sinnvoll es ist Leuten Geld dafür zu geben, wenn sie sich ein Elektroauto kaufen. Da gibt es viele Gründe, die dagegen sprechen, aber aktuell sind die Alternativen noch nicht so weit. Der ÖPNV ist nur in größeren und großen Städten eine Alternative zum eigenen Auto und selbst hier nicht immer, auf dem Land brauchen wir gar nicht anfangen. Von der Bahn brauchen wir gar nicht reden: Viel zu oft deutlich teurer als das eigene Auto oder sogar ein Flug, manche Regionen sind regelrecht abgehängt durch ausgedünnte Fahrpläne und regelmäßige Verspätungen und Defekte zerlegen auch noch den „Ich muss nicht selbst fahren und kann die Zeit sinnvoller nutzen“-Vorteil.

Aber wenn jetzt nicht bald viele Menschen bei einem Neuwagen zu einem Elektromotor statt einem Verbrenner greifen, dann werden wir unsere Klimaziele (erwähnte ich schon, dass wir uns diese Ziele selbst gesteckt haben?) ganz sicher nicht erreichen. Daher: Ja, es ist aktuell wohl die einzige Option, um im Bereich Verkehr die Klimaziele zu erreichen, weil für viele andere, nachhaltigere und langfristig sehr viel wirksamere Optionen einfach keine Zeit mehr ist (hätte man da mal nicht so getrödelt). Der ÖPNV und auch der Bahn-Fernverkehr müsste ausgebaut werden, statt für teures Geld in Stuttgart einen Bahnhof zu verbuddeln hätte man das Schienennetz deutlich aufwerten können.

Aber die ganze E-Auto-Anschubserei bringt nichts, wenn wir unseren Strom nicht endlich sauberer erzeugen. Wenn die Treibhausgase einfach nur nicht mehr aus dem Auspuff des Fahrzeugs, sondern aus den Schornsteinen von Kohlekraftwerken kommen, dann hat niemand was gewonnen. Deswegen muss die Bundesregierung verhindern, dass es der Windkraftbranche in Deutschland so geht wie zuvor der Solarenergiebranche.

Im Bereich Wohnen ist es natürlich auch nicht einfach: Bei Neubauten stehen wir gut da, aber beim Bestand sieht es mies aus. Also müsste mehr und umfassender saniert werden, Sanierungen kosten aber Geld und das Geld wird dann auf die Mieten umgelegt und so steigen dann die Mieten, was in einigen Teilen des Landes bereits dramatische Verhältnisse noch verschärfen würde. Also müsste man da auch noch Geld rein stecken, um solche Sanierungen soweit zu fördern, dass die Mieten anschließend nicht zu heftig steigen.

Ja, das alles kostet eine ganze Menge Geld: Sauberere Energien ausbauen, schneller aus der Kohle aussteigen, Gebäude sanieren, Alternativen zu Verbrennermotoren fördern, ÖPNV ausbauen und dabei dann auch dafür sorgen, dass Menschen mit niedrigen Einkommen nicht auf der Strecke bleibe. Ja, das wird verdammt viel Geld kosten, aber es ist eine Investition! Eine Investition in die Eindämmung der Klimaerwärmung. Eine Investition in den Erhalt einer Welt, in der wir noch leben können. Und weil es ja am Ende immer ums Geld geht: Eine Investition in die Zukunft mit der Geld verdient werden kann. Denn wenn Deutschland ein Vorbild beim Klimaschutz wird, dann werden andere Länder von unserem Wissen und unserer Erfahrung profitieren wollen. Aber dazu müssen wir endlich den Arsch hochbekommen und aufhören darauf zu warten, dass irgendjemand irgendwann irgendwas erfinden wird…

Beitragsbild von Free-Photos auf Pixabay

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Manchmal muss man einfach mal bei Null neu anfangen. Und genau das tue ich hier in diesem Weblog. Fast 6.000 alte Blog-Posts aus fast 14 Jahren finden sich noch auf www.dobschat.de. Noch ältere Beiträge schlummern in einem Backup auf meiner Festplatte SSD. Aber hier geht es noch einmal ganz von vorne los…

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